Pommerscher Greif e.V.

Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte

Home ] Nach oben ] Verein ] Aktiv ] Service ] Schriften ] Internet ] Suche ] English ] Kontakt ]

 

Die Schotten in Pommern im 16. und 17 Jahrhundert und Ihr Kampf mit den Zünften *

Von H. Riemann

1. Teil Einleitung
2. Teil  Schottische Familien und Personen
3. Teil: Das Zunftwesen
4. Teil Die Schotten als 'Feinde' der Zünfte
5. Teil Die schottische Gesellschaft in Greifswald

Zu den Völkern, welchen die Natur den Wandertrieb tief in das Blut gelegt hat, gehören auch die Schotten. Als ein altes Zeugnis dafür könnten wir schon die Pilgerfahrten jener Missionäre ansehen, die unter dem Namen „Schotten" zwar aus Irland stammend, aber doch auch dem gälischen Volke angehörig, zur Merovinger Zeit Deutschland und Frankreich erfüllten, in entlegener Waldwildnis als Einsiedler lebten, aber Klöster gründeten und dies in solcher Zahl, daß man von einer Kongregation schottischer Klöster auf dem Festlande hat sprechen können. Fast das ganze Mittelalter hindurch setzt sich diese Einwanderung fort, und noch heute haftet ihr Name noch an manchen Oertlichkeiten in Deutschland, wie in Regensburg am Schottenkloster und in Wien am Schottenthor und Schottengymnasium. Dieselbe Wanderlust, welche neben dem Glaubenseifer jene aus der Heimat trieb, ist auch von jeher ihren Stammverwandten im eigentlichen Schottland eigen gewesen. Früh schon zeigt sich bei diesen die Neigung, das, was ihnen die Dürftigkeit des öden, in ewige Nebel gehüllten Hochlandes und die Ueberfülle der Bevölkerung versagt hat, Wohlstand und die Genüsse einer feineren Gesittung, in der Fremde zu suchen. Tüchtige Kriegsmänner, dienten sie im Mittelalter als Reisläufer. Seit Roberts des ersten Stuarts Zeit bildeten sie die Leibwache der französischen Könige; in den Heeren der scandinavischen Fürsten bestanden im 15. und 16. Jahrhundert ganze Regimenter aus Schotten; der schottische Adel liebte es, seine Jugend im französischen Kriegslager, oder am französischen Hofe zu verleben bis zu der Zeit hin, wo die alte Verbindung sich löste, und die Reformation das schottische Volk in einen scharfen Gegensatz zu Frankreich brachte. Aber nicht nur die Hochschotten, die reineren Nachkommen jener Gälen, zogen dem Kampf mit der undankbaren Scholle des Vaterlandes die Auswanderung vor, auch das aus celtischen und germanischen Bestandtheilen gebildeten Mischvolk mit einer von der englischen nur dialektisch verschiedenen Sprache, welche in den Lowlands, der fruchtbarsten Landschaft von Schottland, Lothian, und den östlichen Küstenebenen wohnt, folgte gerne den Lockungen der Fremde; es ist, als ob sich ihm celtische und germanische Wanderlust vereinigt hätten. Gute Seefahrer, mit großer Rührigkeit und er Fähigkeit ausgestattet, „das Fremde leicht zu ergreifen und sich ihm anzubequemen," haben diese Schotten besonders in der Absicht das Ausland gesucht, um dort durch Handelsbetrieb ihr Glück zu machen. Diesen Theil der Bevölkerung jenes Landes hat Pufendorf vorzugsweise im Auge, wenn er die Eigenart des schottischen Volkes in folgender Weise zu erklären sucht: „ Sie sind sehr fruchtbar, ihr Land aber ist nicht geschickt genug, um so viel Volk bequem zu ernähren, deshalb laufen sie, um ihr Brod zu gewinnen, weit und breit um und suchen sich überall einzunesteln." Noch heute ist ihnen dieser Wandertrieb verblieben; noch durchziehen sie als Krämer und Händler England, und die Pedlars, die in den Staaten der Union mit ihrem Waarenkasten von Farm zu Farm ziehen, sind oft schottischer Abkunft.

Ganz besonders stark zeigt sich jene Neigung bei den Schotten gleich nach der Reformation. Damals fand eine Auswanderung nach dem Festlande statt, welche sich aus der Eigenthümlichkeit des Volkes nicht genügend erklären läßt. Es müssen noch andere Ursachen wirksam gewesen sein. Wir haben diese ohne Zweifel in den kirchlichen Verhältnissen des Landes zu suchen. Die erste reformatorische Bewegung daselbst, die, von England und Deutschland ausgehend, lutherisch war, hatte sich doch nicht stark genug gezeigt, der Regentin Schottlands, „der glaubenseifrigen Tochter des Guise´schen Hauses" gegenüber, das katholische Kirchwesen zu stürzen. Patrick Hamilton, der bei Luther in Wittenberg und dann in Marburg für die neue Lehre gewonnen war, wurde als Märtyrer des evangelischen Glaubens 1528 zu St. Andrews verbrannt; noch einmal befestigte sich die Herrschaft der katholischen Kirche. Die blutige Verfolgung trieb viele Lutheraner aus ihrer Heimat, manche, unter ihnen gelehrte Männer, entflohen nach England, Italien, Frankreich, und auch dort bald in der freien Uebung ihrer Religion gestört, in die Schweiz, von wo Knox den Calvinismus in sein Vaterland zurückbrachte, andere wandten sich nach Deutschland und hier vorzugsweise nach dem religionsverwandten Pommern. Diese zunächst aus religiösen Ursachen hervorgegangene Auswanderung muß aber auch auf die Masse des Volks zurückgewirkt und in dieser den alten abenteuernden Wandertrieb mit verdoppelter Stärke wieder wachgerufen haben. Schon um das Jahr 1546 müssen Schotten in großer Anzahl in Pommern vorhanden gewesen sein, denn in diesem Jahre ist das erste herzogliche Mandat gegen sie erlassen worden. Wir finden sie hier in der verschiedenartigsten Thätigkeit, als Männer von hohem Rufe, Gelehrte, Professoren, im Gegensatz dazu in untergeordneten dienstlichen Verhältnissen, als Gaukler und Wundermänner, vorzugsweise aber suchen sie als Händler, Krämer und Hausirer in den verschiedensten Zweigen des Handels ihren Erwerb.

2. Teil  Schottische Familien und Personen

Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde. Unter Mitwirkung von Droysen, L. von Ledebuhr, Preuß, L. von Ranke und Riedel, Herausgegeben von Prof. Dr. R. Foß. Dritter Jahrgang 1866 S.597-612
Das Material zu vorliegendem Bruchstück aus einer pommerschen Culturgeschichte ist zum größten Theile ungedruckten Akten des pommerschen Provinzialarchivs entnommen. Für gewöhnlich sind nur anderweitige Quellen citirt. Abschrift durch Michaela Ritter, Berlin. Die numerierten Fußnoten stammen von Riemann.

Es sollte hier nur eine möglichst getreue Abschrift durchgeführt werden, an eine
weitergehende Erklärung der im Text vorkommenden Begriffe war hier nicht gedacht; sie
kann eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Entsprechendes gilt für die
nur in Kurzform angeführten Quellenangaben. Zusammen mit der alten Schreibweise (es
gab ja in Deutschland mittlerweile mindestens zwei große Rechtschreibreformen) macht das
den Text, speziell für Interessenten mit nichtdeutscher Muttersprache, aber nicht nur für
diese, teilweise schwer verständlich. Kreplin

 
 
zuletzt geändert amMittwoch, 23. Januar 2002 erstellt durch webmaster@pommerscher-greif.de 
Haftungsausschluss