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Die Schotten in Pommern im 16. und 17 Jahrhundert
und Ihr Kampf mit den Zünften
Von H. Riemann
1. Teil Einleitung
2. Teil Schottische Familien und
Personen
3. Teil: Das Zunftwesen
4. Teil Die Schotten als 'Feinde' der
Zünfte
5. Teil Die schottische Gesellschaft in
Greifswald
2. Teil Schottische Familien und Personen
Unter den ersteren nennen wir besonders Alexander
Dume aus Edinburg in Schottland2. Anfangs
Pastor an St. Jakobi in Greifswald, wird er 1545 als magister
liberalium artium an der Universität
eingeschrieben, zusammen mit einem anderen Schotten, Alex. Sinapius. Pietate
et doctrina praestans wird er zwei Jahre
später, zugleich mit Knipstrow, dem späteren Landessuperintendenten,
zum Doctor der Theologie promovirt und 1549 von dem Lehrstuhl der
Universität zum Pastor an St. Jakobi in Stralsund berufen, wo er
unter andern, einer schrofferen Ansicht gegenüber, den Satz
vertheidigt, daß Hochzeiten am Sonntage nicht durch die heilige
Schrift verboten seien. Schon vor ihm im J. 1520 wird unter den in
Greifswald immatriculirten Studenten ein Schotte, Namens Russael,
genannt. Andrer Männer dieser Richtung, wie des Dr. Pommeresch, Dr.
Schöner, der Erskin, die zum Theil zu hohen Würden und Aemtern
gekommen sind, wird in der Geschichte der schottischen Gesellschaft in
Greifswald ausführlicher Erwähnung geschehen. Hin und wieder wurde
auch wohl einer aus diesen Klassen des Volkes auf ein Dorf
verschlagen: so findet sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts in
Wachholzhagen bei Treptow a.d. Rega ein Pastor, Namens Florian
Hamilton, in Rügenwalde von schottischen Eltern geboren. Das
Geschlecht der Hepburns (Hebrons), von dem Mitglieder später in den
Heeren Gustav Adolfs, Wallensteins und Ludwig XIII. dienten, war in
Pommern durch alle Stände verzweigt; Damnitz bei Stolpe wurde ein
Lehn dieser Familie, welche im Besitze desselben bis z. J. 1717 blieb,
wo Alex. v. Hebron es an den Generallieutenant v. Hainsky verkaufte,
und „ein nicht jungfräulicher Sproß" desselben, Anna
Hepburns, spielt in dem Injurienprozeß eine Rolle, welcher zur
Entscheidung des Schicksals der bekannten Sidonia Bork beitrug3.
Ganz besonders aber verdienen die Schotten unsre
Aufmerksamkeit, welche der Handelserwerb in die pommerschen Städte
lockte. - Feindliche wie friedliche Beziehungen zwischen Schottland
und Pommern reichen bis in das Mittelalter zurück. Als Jacob IV von
Schottland seinen kecken Ausliegern gestattete, als Kaper in dänische
Dienste zu treten, und diese nun in der Ostsee den hanseatischen
Schiffen großen Schaden thaten, rüsteten drei Colberger
Bürgermeister und mehre Rathsmannen, unter ihnen Hans Schlieff, der
Enkel „des großen Hans", im J. 1500 auf eigene Kosten mehrere
Oorlogschiffe aus, zu deren Bewaffnung sie aus dem Gemeindeschützhaus
sechs Stücke Geschütz entlehnten, und kreuzten mit Glück gegen die
Feinde4. Und daß auch friedliche
Handelsbeziehungen schon lange bestanden, beweist ein Brief desselben
Jakobs an den Herzog Bogislav von Pommern aus dem Jahre 15195.
Zwei Anklamer Kaufleute, Hans Knacke und Hans Steffen sind hiernach in
Schottland nach ihrer Angabe widerrechtlich ihrer Güter beraubt
worden. Dafür ist auf herzogliche Anordnung gegen schottische
Kaufleute aus St. Andrews Vergeltung geübt, ihre Güter sind mit
Beschlag belegt, sie selbst in Gefangenschaft gesetzt worden. Um den
Herzog zu überzeugen, daß das Verfahren gegen die Anklamer nicht
unbegründet gewesen sei, sendet der König die Alten des Prozesses
mit der Bitte an denselben, die harten Verordnungen gegen seine
Unterthanen zurückzunehmen, damit diese nicht gezwungen seien, die
gewohnten Märkte zu meiden und mit ihren Waaren andre Länder
aufzusuchen. Der Streit muß ausgeglichen sein, denn noch im Anfang
des 17. Jahrhunderts folgen die Schotten den altgewohnten Bahnen des
Seeverkehrs, noch 1623 fahren ihre Kaufleute die Wiek von Greifswald
hinauf mit demselben Rechte, „das andere fremde Kaufleute haben, die
zur See kommen, ihre Waaren zu verkaufen, aber nicht aufzulegen und
also mit demselben Schiffe, damit sie gekommen sind, alsofort wieder
abzureisen und nicht länger zu verweilen6.
– Der Verkehr der Schotten bleibt nun in dieser Zeit nicht den
Seehandel und die Küstenstädte beschränkt, wir treffen sie nun auch
überall im Binnenlande. Einige durchziehen als Tabuletkrämer das
Land; ohne an einem bestimmten Orte ansässig zu sein, wandern sie mit
ihrem Waarenballen von einem Edelhofe zum andern, manche sind auch im
Besitz eines Einspänners, dann haben sie ihre Frauen bei sich, die
jene in den Städten zurücklassen. Obdach finden sie in den Städten
in niedrigen Wirthshäusern, auf dem Lande überall bei Bauern und
Edelleuten, denen sie stets willkommene Gäste sind. - Andere lassen
sich in den Städten nieder; anfänglich nur geduldet, gewinnen sie
allmählich trotz des Widerstrebens der Zünfte das Bürgerrecht und
– meistens erst auf herzoglichen Befehl – die Erlaubniß,
bestimmte Gegenstände feil zu haben. Von ihrem Niederlassungssorte
aus treiben sie oft in der ausgedehntesten Weise ihre Geschäfte. Zum
Theil bilden sie auch größere Genossenschaften, die mit vereintem
Kapital arbeiten, wie der Schotte Andreas Zander in Warp an der Spitze
einer solchen stand7. Sie halten sich
umlaufende Burschen in großer Zahl, welche die Waaren auf dem Lande
vertreiben, und wohl oft mit jenen nichtansässigen Schotten
verwechselt wurden. Jener Andreas Zander war, ohne Zweifel in Folge
des Hausirens seiner umlaufenden „Müßiggänger", mit der
märkischen Stadt Falkenberg in Streit gerathen und besaß die
Keckheit, der Stadt mit seiner Gesellschaft einem förmlichen
Absagebrief zu schicken. Auf Betrieb des märkischen Amtmanns Melchior
Krause wurde er zu Colberg auf dem Jahrmarkte gefänglich eingezogen,
doch von dem Markgrafen in Betracht seines armen Weibes und seiner
Kinder begnadigt und nach geleisteter Urfehde wieder auf freien Fuß
gestellt. In Greifenberg sind 1558 schon einige angesiedelt, ihre Zahl
vermehrt sich im Laufe des Jahrhunderts wie überall, 1613 sind dort
folgende acht als Bürger ansässig: Olof Robertson, Atinson,
Wilhelms, Wasse, Baldewin, Jakob Korte, Jakob Nedal, Reimar Buntink;
in Treptow sind um 1590 Andreas Schmidt und Hans Ballentin im Besitz
des Bürgerrechts, und nach hartem Kampfe mit den Zünften gewinnt es
auch Hans Möringk. (Ihre zum Theil deutsch klingenden Namen dürfen
bei der Verwandtschaft des Angelsächsischen mit dem Niederdeutschen
nicht auffallen.) Die Mehrzahl derselben sind Krämer, sie handeln,
wie die Klageschriften der Zünfte ergeben, mit den
verschiedenartigsten Gegenständen und nehmen es nicht immer genau
damit, ob sie auch durch ihre Privilegien dazu berechtigt sind. Sie
verkaufen Gewürze, Seide, Sammt, Wolle, Salz, Hanf, Wachs, Honig,
Hering, Flachs, Tuch, Eisenwaaren, Stahl, Blei und Zinn, sie treiben
Kornhandel, beschäftigen sich mit dem Aufkaufen von Fellen, die sie
in den Städten an die betreffenden Zünfte mit Vortheil wieder
verkaufen, aber auch außer Landes führen, sie gerben Rauchfelle,
färben Otternfelle, verkaufen gefütterte Hüte, Männer- und
Frauenmützen, einige befassen sich mit der Brauerei, und hier und da
arbeiten sie auch als Handwerker. Der oben genannte Buntink ist ein
Färber und Nedal ein Goldschmied; den Beschwerden der Zünfte
gegenüber behauptet er, daß er kein Handwerk, sondern eine freie
Kunst treibe. Als ein Elias Otto (Flemming [?]) aus Hof 1566 nach
Ungarn gezogen war, mußten seine Verwandten für ihn unter andern
Posten noch 17 Thlr. bezahlen als Rest einer Summe, die er dem
Schotten David für Rüstung und zwei Pferde schuldig geworden war.
Manche finden wir auch in dienstlichen Verhältnissen verschiedener
Art. Ein Schotte, der 1566 in Stralsund von einem Joachim Toller mit
einem „Toßhaken" so verwundet wird, daß er daran stirbt8,
war „Diener" von Jakob Kleriken, dem Schwiegersohne des
bekannten Sastrow; der Mörder wird durch seine Freunde der
gerichtlichen Ahndung entzogen. Jener Hans Möringk in Treptow, der
lange vergeblich das Bürgerrecht zu gewinnen suchte, hatte Fürsten
und Herrn, wie er selbst sagt, wider den Erbfeind der Christenheit und
gegen die „Muschewiter" gedient und sich dem Rathe der Stadt
Treptow bei Erbhuldigungen, Beilager und andern Festlichkeiten als
Trabant fleißig und treulich brauchen lassen.
Es gab auch Leute unter ihnen, die sich nicht
scheuten, sich zu Geschäften herzugeben, deren Betrieb das Gesetz bei
strenger Strafe untersagte, So war der durch das ganze Reich
verbreitete, von den Regierungen scharf verfolgte, oft aber auch
selbst betriebene heimliche Handel, mit gemünztem Metall, der aus den
verwirrten Münzzuständen dieser Zeit emporwucherte, in Pommern
vorzugsweise in ihren Händen, sie kauften für schlechtere Stücke
die vollwichtigeren Münzen im Lande auf, um sie auszuwippen und
einzuschmelzen, und brachten so schlechteres Geld in Umlauf. Das sie
sich auch mit wirklicher Falschmünzerei befasst haben, wird ihnen
wenigstens von ihren Gegnern in den Zünften zur Last gelegt. Dies
Verbrechen war in dieser Zeit auch in Pommern nicht selten, auch hier
fanden sich „kunstreiche" Männer, die es verstanden,
Münzstempel zu graben, Schillinge von Kupfer zu schlagen und sie dann
in Weinstein zu sieden, daß sie das Ansehn von echten erhielten9.
Da sie so auf jede Weise ihr Glück zu machen suchten und selbst einen
unredlichen Erwerb nicht verschmähen, kann es nicht Wunder nehmen,
daß wir sie auch sonst in zweideutigen und niedrigen Verhältnissen
finden. Wallenstein steht im Jahre 1631 in Greifswald mit einem nicht
genannten Schotten in Verbindung, der einen nicht näher bezeichneten
heimlichen Streich gegen Gustav Adolf, vermutlich gegen sein Leben
ausführen soll. Einer der ersten Schotten, deren überhaupt in
Pommern Erwähnung geschieht, ist ein Wundermann, der, sonst normal
gestaltet, oberhalb des Nabels mit einem doppelten Leibe versehen ist,
er läßt sich in den pommerschen Städten für Geld sehen und tritt
schon 1520 in Kolberg auf10. Daß auch
sonst unter den Pommern durchstreifenden Gauklern und Abenteurern
Schotten gewesen sind, beweisen mehrere herzogliche Befehle, welche
die Amtleute und Landreiter anweisen, auf Schotten, Zigeuner und
Wahrsager ein wachsames Auge zu haben.
3. Teil: Das Zunftwesen

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2 Kosegarten, Gesch. d.
Univ. Greifsw. I, 195. Mohneke [sic!], Freder. 2,2.
3 Barthold, Gesch. Pomm. 4, 6,. 401. Brüggemann, 2, 2,
958.
4 Barth. Gsch. S. 4, 6. 75. Kundenreich, Colb. Collect.,
7.
5 Schöttgen, Altes u. neues Pommerland. 673.
6 Dähnert, Samml. II, 320.
7 Rango, Denkwürdigkeiten z. J. 1559.
8 Joachim Lindemanns Memorialbuch. Balt. Stud. 8, 2, 34.
9 Sastrow’s Leben 3, 2, 10.
10 Rango, Merkwürdigkeiten z. J. 152
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