Pommerscher Greif e.V.

Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte

 

Die Schotten in Pommern im 16. und 17 Jahrhundert und Ihr Kampf mit den Zünften

Von H. Riemann
1. Teil Einleitung
2. Teil  Schottische Familien und Personen
3. Teil: Das Zunftwesen
4. Teil Die Schotten als 'Feinde' der Zünfte
5. Teil Die schottische Gesellschaft in Greifswald

5. Teil  Die schottische Gesellschaft in Greifswald

Schließlich verdient noch eine besondere Erwähnung die schottische Gesellschaft, im Jahre 1590 in der Stadt, in welcher das schottische Element von Anfang an am stärksten vertreten war, in Greifswald, von den in dieser Stadt ansässigen Bürgern schottischer Nation gegründet: „ Gott zu Ehren, dessen Kirche und armen nothleidenden Leuten zum Besten, und um ein gutes Vertrauen unter denen von Schottischem Geblüt und Abkunft zu unterhalten17." Unter den Gründern werden genannt: David Gipson (Givson), Hans Levenstohn, Dr. Johannes Pommereschen. Später in Greifswald einwandernde Mitglieder des Volkes schließen sich dem Vereine an, wie 1597 Walter Erskin (Esten), Seidenhändler und bald angesehener Bürger in der Stadt, dann Thomas Murray mit zahlreicher Verwandschaft, unter diesen Wilhelm Murray und ein zweiter Thomas Murray, der 1617 zugleich mit Alexander Ersken beitritt. (Alex. Escheim oder Erskein bei Kosegarten, Gesch. der Greifsw. Univ. 1, 262) dem späteren Freiherrn und Kriegs- und Hofgerichtspräsidenten der Krone Schweden. „Die Zinsen bestimmter von der Societät zusammengebrachter Gelder und andere derselben zufallende Einkünfte sollen Kirchen, Armenhäusern und anderen piis locis zufallen." Die Gesellschaft ist zunftartig organisirt mit Alterleuten an der Spitze; die größere Zahl der Mitglieder besteht aus Krämern und Seidenhändlern. Wie anderswo die Schotten so leben sie auch hier in stetem Streit mit den Zünften. Sämmtliche Alterleute und Brüder der Krämerzunft beschweren sich über sie, daß sie sich mit der Vorkäuferei befassen und ihrer Krämerrolle zuwider außerhalb der offenen freien Märkte sich unterstehen, ihre Waare feil zu haben und die Eingebornen in ihrer Nahrung zu stören. Ein Prozeß mit jener Zunft geht sogar an das Reichskammergericht. Da das fürstliche Hofgericht, welches ohne Zweifel gegen sie entschieden hat, die Prozeßakten auszuliefern zögert, bitten die Schotten den Herzog im Jahre 1602 „dem kaiserlichen Compulsoriale zu Folge die Beschaffung derselben gnädigst befehlen zu wollen, widrigenfalls sie sich beschweren und acriores compulsoriales erbitten müßten, womit sie als arme Leute und gehorsame Unterthanen das fürstliche Hofgericht nicht gerne beschweren möchten." Unterzeichnet ist: „Thomas Elison und andere Konsorten schottischer Nation." Ueber den weiteren Verlauf des Prozesses schweigen die Akten.

Der Streit mit den Krämern hält sie freilich nicht ab, die beschränkenden Zunftbestimmungen zum Vortheil Einzelner gegen einander zu benutzen. J. Kerckeles, Greifswalder Bürger, beklagt sich um dieselbe Zeit bei dem Herzoge, daß einige Leute seiner Nation, Walter Esken, Walter Linston (?), David Brusse sich den Handel mit schottischem Salz, den ihm sein Schwiegervater übergeben, angemaßt hätten, um ihm denselben aus den Händen zu reißen. „Bei keinem wohlbestellten Rigiment dürften Krämer und andere Amtleute, welche ihre Rollen hätten, Kaufmannschaft treiben, der Krämer solle bei der Krämerei, der Kaufmann bei der Kaufmannschaft bleiben, keiner dem andern die Nahrung entziehen. Da bei den Zwistigkeiten zwischen Rath und Bürgerschaft nichts auszurichten sei, solle der Herzog befehlen, daß jene sich der Salzhandlung enthielten."

Um die Mitte der zwanziger Jahre des 17. Jahrhundert erreichte der Verein seine höchste Blüthe, 1624 kaufte er ein eigenes, in der Fischerstraße belegenes Haus für 1300 Gulden, von denen er 600 sogleich bezahlte, in der Hoffnung, auch den Rest bald abtragen zu können. Aber die traurige Zeit der kaiserlichen Einquartierung, in welcher die ganze Stadt durch Steuern und Plünderung verarmte und verödete, behinderte das weitere Gedeihen desselben. Wenn er auch die Jahre der Drangsal überlebte, so schmolz er doch durch das Hinsterben vieler Mitglieder sehr zusammen, während zugleich aus Schottland seit dieser Zeit kein Ersatz mehr kam. Noch einmal suchte Dr. Joh. Schöner, „ medic. Dr. in Greifswald und berühmter Practicus, auch königlicher Estatsmedicus" aus Edingburg (wo sein Vater, Martin Schöner, Arzt aus Thüringen, sich niedergelassen hatte), als Gemahl der Katharina Ersken zur schottischen Verwandtschaft gehörig, den Verein neu zu beleben. Auf seinen Betrieb nahmen sich Dr. Pommeresch, Stiefsohn des 1617 beigetretenen Th. Murray, Professor der Universität und beider Rechte Doctor, und Thomas Murray, Rathsverwandter der Stadt, eifrig desselben an, und Freiherr Alex. von Erskein, Schwedischer Kriegs- und Hofgerichspräsident, gab zur Tilgung der auf dem Hause haftenden Schulden einen freiwilligen Beitrag von 100 Thlr. – Aber trotz der auch von Dr. Pommeresch gebrachten Geldopfer wollte es nicht gelingen, den Verein wieder emporzubringen, und da das durch den Verfall der beiden Nebenhäuser selbst baufällig gewordene Haus die Miethe durch die Baukosten verzehrte, und dadurch der ursprüngliche Zweck, den piis locis eine Beisteuer zu geben, vereitelt wurde, so beschloß derselbe im Jahre 1676, das Haus der Marienkirche zu schenken, um es – nicht unter 600 Gulden – zu verkaufen und das gelöste Kapital zu verschiedenen Schul-, Kirchen- und Armenzwecken zu verwenden, 200 Gulden davon auf Acker zinsbar anzulegen und unter dem Titel „der löblichen schottischen Compagnie Administratoren Dr. Joh. Pommereschen und Th. Murray Donation alle Jahre richtig zu berechnen."

Seit dieser Zeit wird die schottische Gesellschaft in Greifswald nicht mehr erwähnt; sie muß sich bald aufgelöst haben.

Um dieselbe Zeit, in welcher diese schottische Gesellschaft in Greifswald zu der höchsten Blüthe gekommen war, hat auch die schottische Einwanderung in Pommern, wie die Zahl der gegen sie erlassenen Mandate erweist, ihren Höhepunkt erreicht. Dieselbe Ursache, welche das Gedeihn jener Gesellschaft gestört hat, die Verwirrung des Pommern schwer heimsuchenden dreißigjährigen Kriegs, hat auch der Einwanderung der Schotten in Pommern überhaupt ein Ziel gesetzt. Ohne weitere Verbindung mit der alten Heimat, nicht mehr gekräftigt und unterstützt in ihrem nationalen Bewußtsein durch neue Zuwanderung, verlieren sich die Reste derselben bald unter der übrigen Bevölkerung, und nur die Namen Wasse, Nedel, Buntink (von denen, wie ausdrücklich bemerkt wird, die Bontin abstammen) etc. bleiben als letzte Erinnerung an das Land, aus dem die Vorfahren jener Familien einst eingewandert sind.

17 Ich verdanke die Kenntniß der diese Gesellschaft betreffenden Urkunden Herrn Stud. phil. Zöllner in Greifswald, der so freundlich gewesen ist, sie für mich zu kopiren.
 
 
zuletzt geändert am Mittwoch, 23. Januar 2002 erstellt durch webmaster@pommerscher-greif.de 
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